Viorel ROMAN

Moldawien 1996-11-03
inapoi
Moldawien Der Name Moldawiens geht auf das rumänische Fürstentum Moldau zurück, dessen östlichen Teil Rußland 1812 als Bessarabien annektierte. Dies ist der Kern der seit 1991 unabhängigen Republik. Römer, Völkerwanderung, Osmanen (bis 1812) Ohne je Teil des Römischen Reichs gewesen zu sein, stand das Gebiet des heutigen Moldawien im in den ersten nach christlichen Jahrhunderten unter römischem Einfluß. Nach dem Rückzug der Römer 272 an die Donaugrenze war es ein Jahrtausend lang Schauplatz von Völkerwanderungen, bevor im 13./14. Jh. die rumänischen Fürstentümer Moldau und Walachei als Grenzmarken gegen tartarische Angriffe entstanden (# Rumänien, S. 036). Fürst Basarab I. (1323–1352) expandierte 1328 bis zum Dnjestr und verleibte der Walachei das Gebiet zwischen Donau und Dnjestr, das eigentliche Bessarabien, ein. Im 15. Jh. kam das Gebiet zum Fürstentum Moldawien (1359–1859), das sich von den Karpaten bis zum Dnjestr und Schwarzen Meer erstreckte. Im Zuge der osmanischen Expanion auf dem Balkan wurde Moldawien 1480 tributpflichtig und mußte 1538 die Annexion des südöstlichen Moldawiens (türkisch Bugeac) hinnehmen, die das Fürstentum vom Schwarzen Meer abschnitt. Im Sog der russischen Expansion (1812–1991) Nach dem 5. russisch-türkischen Krieg 1806–1812 annektierte Rußland sämtliche Gebiete östlich des Pruth. Die Namensgebung »Bessarabien« für das gesamte Gebiet sollte das Ausmaß der Eroberung verschleiern und moldawische Ansprüche abweisen. Nach dem 6. russisch-türkischen Krieg (1828/29) hob das Zarenreich die Autonomie Bessarbiens auf und russifizierte es (Russisch als Amtssprache, kyrillisches Alphabet). Die Niederlage im Krimkrieg (1853–1856) unterbrach die russische Expansion vorübergehend: 1856 übernahmen sieben europäische Staaten die Schutzherrschaft über die Donaufürstentümer Moldau und Walachei. Moldawien bekam Südbessarabien (Bugeac) zurück (bis 1878), während Nordbessarabien bei St. Petersburg blieb. Durch seine Beteiligung am 8. russisch-türkischen Krieg 1877/78 an der Seite des Rußlands gewann Rumänien auf dem Berliner Kongreß 1878 die Souveränität vom Osmanischen Reich, verlor aber Südbessarabien erneut an den Zaren. Der Zusammenbruch Österreich-Ungarns und des Zarenreichs im Ersten Weltkrieg gab Raum für die Entstehung Großrumäniens jedoch im Frieden von Trianon 1920: Sowjet-Rußland akzeptierte den Verlust Bessarabiens nicht und gründete 1924 östlich des Dnjestr die Autonome Sozialistische Region Moldawien, die bis zur abermaligen Annexion Bessarabiens in Erfüllung des Hitler-Stalin-Paktes 1940 die sowjetischen Ansprüche konservierte. Zur Sicherung der strategischen Schlüsselpositionen teilte Josef Stalin die Kriegsbeute 1940 neu: Das südliche Bessarabien mit Donau- und Dnjestrmündung und Nordmoldawien kamen zur Ukraine, während die neuentstandene Moldawische Sozialistische Sowjetische Republik den zuvor zur Ukraine gehörenden schmalen Streifen östlich des Dnjestr (Transnistrien) erhielt. An Adolf Hitlers Seite zog Rumänien 1941 in den »Heiligen Krieg« zur Rückeroberung der verlorenen Gebiete, die jedoch im Friedensvertrag von Paris 1947 der UdSSR zugesprochen wurden. Deportationen, Hungersnöte, Zwangsrussifizierung (u. a. Verbot der lateinischen Schrift) und strenge Abschirmung von Rumänien blockierten eine wirkliche Integration in die Sowjetunion. Eigenstaatlichkeit (seit 1991) Im Zusammenbruch der Sowjetunion erklärte daher auch die Moldawische SSR ihre Unabhängigkeit (27. 8. 1991). Die Desintegration der UdSSR setzte sich im jungen Moldawien fort, das in drei Regionen zerfiel: Die ca. 150 000 turkstämmigen orthodoxen Gagausen erhielten 1994 Autonomie. Spannungsreicher ist der Konflikt Transnistrien, das unter dem Schutz der ehemaligen 14. sowjetischen Armee, für seine Unabhängigkeit als Dnjestr-Republik kämpft. Nachdem das rumänisch dominierte Moldawien nach 1991 zunächst die nationale Wiedervereinigung mit Rumänien anstrebte, entschied sich die Republik 1994 per Referendum und Verfassung für die Eigenstaatlichkeit und eine eigene moldawische Identität (Sprache, Hymne). Datezeilen (Moldova) Fläche: 33 700 km² Bevölkerung: 2,9 Mio. (1959), 3,6 Mio. (1970), 4,4 Mio. (1993) Sprachen: Moldawisch (Rumänisch in Kyrillischer Schrift), Russisch, Ukrainisch, Gagausisch Staatsform: Republik