Viorel ROMAN

Transsilvanien - Siebenbürgen: Begegnung der Völker am Kreuzweg der Reiche 2015-01-06
inapoi
Transsilvanien - Siebenbürgen: Begegnung der Völker am Kreuzweg der Reiche Taschenbuch – 1996

von Viorel Roman (Autor), Hannes Hofbauer (Autor)

Die Autoren begeben sich auf historische Fährtensuche zurück bis zur ungarischen Landnahme. Der osmaischen Epoche wird breiter Raum gewidmet. die habsburgische Herrschaft ausführlich beschrieben. Madjarisierung und Rumänisierung der vergangenen 150 Jahre werden gegenübergestellt; die Phase der Bukarester Entwicklungsdiktatur beschließt den geschichtlichen Tiel des Buches. In vier aktuellen Reportagen werden die sozialen, nationalen und religiösen Spaltungen der Postwende-Gesellschaft spürbar.

Sehr gute, aber auch anspruchsvolle Beschreibung, der Entwicklung der Region Siebenbürgens in einem breiten globalen Kontext. Auf dieser Basis gute und interessante Beschreibung der gegenwärtigen Situation. Es handelt sich um ein Buch das zu einem besseren Verständnis der Geschichte der Region und auch des Selbstverständnisses der regionalen Bevölkerung beiträgt und implizit und explizit interessante Thesen zu weltgeschichtlichen Zusammenhängen entwickelt und an Hand Siebenbürgens beispielhaft untermauert. Ich kann dieses Buch vor allem einer geschichtlich und auch politisch interessierten LeserInnenschaft sehr ans Herz legen.

Zur Geschichte und Gegenwart Transsilvaniens

TRANSSILVANIEN - SIEBENBÜRGEN

Im Spannungsfeld der Großmächte beziehungsweise heute in der Peripherie des Imperiums EU liegt Transsilvanien oder Siebenbürgen, wie es bei der deutschsprachigen Minderheit im heutigen Rumänien heißt.

Romans und Hofbauers Buch zu dieser Region ist in die drei Abschnitte Theorie, Geschichte und Gegenwart aufgeteilt. Im Theorieteil legen die Autoren ihre kritische Position sowohl gegenüber dem Kapitalismus und den Institutionen EU und NATO als auch gegenüber dem Staatssozialismus und der Sowjetunion dar.

Der geschichtliche Teil beginnt mit der Zeit des antiken Rom über die osmanische und habsburgische bis zur rumänischen Epoche Mitte der 1990er Jahre. Der Abschnitt zur Gegenwart geht auf die ökonomischen Bedingungen und gesellschaftlichen Verhältnisse wie beispielsweise Religionen und Kirchenstreit, Prostitution und Stadtflucht sowie die ethnischen Spannungen zwischen UngarInnen, RumänInnen und Roma ein. Die Beschreibung der ökonomischen und sozialen Verhältnisse ist geprägt von eigenen Reisen und Erfahrungen der Autoren. Auf deutscher Sprache ist eine derartige Nähe zur Lebenswelt der Menschen in Transsilvanien wohl kaum anderswo zu finden. Leider bietet das Buch zwar eine umfangreiche Bibliographie, aber kaum Quellenangaben im Text. Der Übersicht in den historischen Zeitspannen dienen dafür Landkarten und eine Zeittafel.

VON FLORIAN ENGLERT